Gutbürgerlich

Gibt es ein bürgerlicheres Essen als Rindsrouladen? Kaum. Ich erzähle gern die Geschichte, wie ich in den frühen neunziger Jahren als Student bei einer in den Osten expandierten Bundesbehörde auf der Halbinsel Stralau (Berliner Bezirk Friedrichshain) arbeitete. Eine Kollegin erzählte öfter von ihren Schwiegereltern, die jeden Sonntag Rouladen essen würden. Jeden Sonntag? Jeden Sonntag. Wird das nicht langweilig? Nein, sie essen nichts lieber, war ihre entwaffnende Antwort.

Nun gut. Ich habe eigentlich ein aufgeklärtes Verhältnis zu Rinderrouladen. Ich esse sie gerne. Aber zwei- oder dreimal im Jahr reicht es mir persönlich. Doch dann schmecken sie richtig gut. Heute war es mal wieder so weit, schließlich haben wir noch insgesamt acht Rindsrouladen von einem Reiterhof in der Nähe eingefroren. Nein, Rindsrouladen. Ja, vom Reiterhof. Der Mann päppelt nebenbei ein paar Fleischrinder.

Meistens mache ich die Rouladen nach dem Rezept von Hedwig Maria Stuber („Ich helf dir kochen“). Das heißt ich schwitze etwas Petersilie und Zwiebel in Butter an, salze und pfeffre die Rouladen, bestreiche sie dünn mit mittelscharfem Senf, darauf die angeschwitzten Zwiebeln und Petersilie, lege zwei Baconscheiben darauf und eine halbe oder viertel Gewürzgurke und rolle das Ganze auf und stecke es fest.

Mehliert werden die Rouladen nun im Schmortopf angebraten, gefolgt von Möhre und Zwiebel, die ebenfalls etwas Farbe nehmen sollen und einer gepellten Tomate, die wiederum der Sauce Farbe verleihen soll. Aufgegossen mit guter Rinderbrühe ist die Sauce sowieso das Meisterstück der Rindsrouladen, sie entsteht praktisch im Vorbeigehen während der eineinhalbstündigen Schmorzeit (in der die Rouladen einmal gewendet werden sollten). Am Ende werden die Rouladen entnommen, die Sauce mit wenig (!) Rotwein abgeschmeckt und nochmal eingekocht. Ich, und das ist ein Unterschied zu Frau Stuber, püriere das mitgekochte nun gerne zur Bindung in die Sauce ein. Das war’s auch schon. Die Rouladen gab’s heute klassisch mit Kartoffeln von Karsten Ellenberg aus Barum und ein wenig Gemüse.

Geht’s bürgerlicher? Nein. Gibt’s das jetzt jeden Sonntag? Nein. Aber vier Rouladen sind noch im Tiefkühler.

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