Zu Gast im „Morgenmagazin“

Die ARD beging heute in ihrem Morgenmagazin mit dem SPD-Rassenkundler Thilo Sarrazin ein Jahr „Deutschland schafft sich ab“. Im boulevardesken Format „Berliner Frühstück“ bekam der Ex-Bundesbanker und Ex-Finanzsenator von Berlin Gelegenheit, sein Golf-Handicap und seine Einsichten bei Croissant und Café Latte unters fernsehende Volk zu bringen:

„Eine Zuwanderung aus Afrika und Nahost lehne ich ab.“

„Die Asiaten kommen leider nicht zu uns.“

„Die Geburtenrate der Deutschen ist zu niedrig. Wenn das so bleibt, muss jeder Erwerbstätige für einen Rentner sorgen. Wir werden kleiner und die Beiträge werden steigen. Davon geht die Welt nicht unter.“

Den lautesten Protest legte Mitfrühstücker Werner Sonne (ARD) bei der Aussage des Sozialdemokraten an den Tag, er, Sarrazin, sei aus freien Stücken und tiefer Einsicht aus dem Vorstand der Bundesbank ausgeschieden. Die Frage sei nämlich gewesen, ob er oder der Bundespräsident hätte zurücktreten müssen. Da sah der ARD-Mann die Ehre des hohen Amtes beschädigt. Hauptsache, dieser Auftritt hat nichts anderes beschädigt. fb

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Wohl leider unmöglich

„Die Griechen wollen so weiter leben wie bisher. Das ist verständlich, aber wohl leider unmöglich.“ (Moderatorin Susanne Conrad am 15. Juni 2011 im ZDF)

Vor einigen Tagen hatte ich wieder einmal Post der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) aus Köln im Briefkasten. Wie seit mindestens fünf oder sechs Jahren alle drei Monate. Der Inhalt: eine Einzugsermächtigung. Nein, ich bin kein Schwarzseher. Auch kein Schwarzhörer.  Die Behörde kann es aber offensichtlich nicht hinnehmen, dass ich einen Dauerauftrag geschaltet habe, um meine Quartals-Schuld bei ihr zu begleichen. Nein, man will aus eigenem Recht vom Konto abbuchen.

Dann kommen die Tage, an denen ich mich frage, warum ich überhaupt noch für eine Leistung zahle, die aus meiner Sicht immer zweifelhafter wird. Wer braucht das Fernsehen noch? Das privat-kommerzielle mit seinen Quotenserien und Rateshows, das staatlich-kommerzielle mit seinen Quotenserien, Rateshows  – und mediokren Nachrichtensendungen.

Beispiel Griechenland-Berichterstattung: Die oben zitierten zwei Sätze der ZDF-Moderatorin Susanne Conrad stammen aus der Abmoderation eines Beitrages, der sich mit dem Anwachsen der Schwarzarbeit in Griechenland befasste. Als Kronzeuge wurde ein Tischler präsentiert, der sich verständlicherweise nicht offen zeigen wollte. Ist doch das, was er da treibt, Steuerhinterziehung. Doch wie meistert das deutsche Fernsehen diese Klippe? Es zeigt die im Mundwinkel hängende Zigarettenkippe und bedient damit bewusst das Klischee des faulen, leichtlebigen, vielleicht leichtfertigen Griechen. Bei einer Reportage über Schwarzarbeit in Deutschland habe ich dieses Stilmittel im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nicht gesehen.

Da darf man sich dann auch über solche Abmoderationen nicht wundern, denen man nur ein Wort wegnehmen muss, um beim Vokabular des Unmenschen zu landen. Zustande kommt dies durch eine Unbedarftheit, vielleicht Faulheit, zu hinterfragen, was hinter der sogenannten Griechenland-Krise steckt. Ist es nicht vielleicht so, dass europäische, nicht zuletzt deutsche Banken prächtig an den Krediten für das Ägäis-Land verdienen? Dass die deutsche Rüstungsindustrie prächtig an den griechischen Waffenkäufen, finanziert mit deutschen Krediten, verdient hat? (Und die Türkei, den Intimfeind der Griechen, ebenfalls aufrüstet?) In wessen Interesse ist die Griechenland-Hilfe eigentlich? Und wer bekommt etwas davon ab? Der gemeine Grieche, der so weiter leben will wie bisher?

Das mit dem Fernsehen muss ich mir nochmal überlegen. Frank Behrens