Die auftsteigenden F16 des Bernd Ulrich

Fast eineinhalb Seiten der gedruckten Zeit hat sich deren stellvertretender Chefredakteur Bernd Ulrich genommen, um seiner Irritation über die vermeintlich russophilen Deutschen Luft zu machen.

Bemerkenswert ist, dass er bei seinen Versuchen, seine zentrale Frage („Woran liegt es, dass so viele Bürger die Krimkrise anders beurteilen als Politik und Medien?“) ausgerechnet die naheliegendste Antwort konsequent auslässt. Er mutmaßt zwar, dass viele Deutsche mit dem Wort „Demokratie“ nach 15 Jahren Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan, Irak und Libyen mittlerweile „aufsteigende F16-Bomber“ assoziieren. Und – natürlich – dass die NSA-Affäre des vergangenen Jahres nachwirke. Aber dass „der Westen“ den gewaltsamen Umsturz der (unbestritten gewählten) Kiewer Regierung maßgeblich unterstützt hat – man denke nur an die Platzierung des Boxers und Novizen der Konrad-Adenauer-Stiftung, Vitali Klitschko, oder an die demonstrative Anwesenheit zweier deutscher Außenminister auf dem Maidan während der Unruhen. Und warum die Oligarchin Julija Timoschenko mehr Unterstützung verdient hat als die bisher an der Macht befindlichen Kollegen, dürfte sich vielen Bundesbürgern ebenso wenig erschließen. Und warum eine Putschregierung aus Timoschenko-Parteigängern und diversen faschistisch-nationalistischen Gruppierungen wie „Swoboda“ und „Rechter Sektor“ demokratischer sein soll als eine regulär gewählte Regierung unter dem Autokraten Wiktor Janokowytsch – auch dem geht Bernd Ulrich nicht auf den Grund. fb

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