Das S-C-H-Wort

Man kann sich nicht immer nur Freunde machen. Insbesondere dann nicht, wenn die „Bild-Zeitung“ mal wieder mit Sommer droht und ihn mit der Headline einläutet: „Schland!“

Schland? Offenbar muss dieses Land mittlerweile jeden Sommer in Partylaune gebracht werden, damit es ohne Kater über den gewaltigsten Wirtschaftsboom seit… ja nun, seit der Finanzkrise kommt. Und Sommerparty ist Schland. Dann, wenn alle gut drauf sind, ihre Autos und Rückspiegel schmücken mit Schwarz-Rot-Gelb, nee -Gold heißt es, und Biermixgetränke zischen. Grenadine-Apfel-Weizen vom Schöffen Bräu. In der praktischen 0,33-Liter-Pulle, die sich anschließend auch im Papierkorb der U-Bahn verstauen lässt. Immerhin haben so die Bedürftigsten doch noch etwas von Schland.

Schland, das ist aber auch die Zeit, da man nicht schlecht oder nur undefinierbar gelaunt sein sollte, bewegt man sich im öffentlichen Raum. Da kann es schon mal passieren, dass zwei oder drei betrunkene Jungs Dich anmachen und fragen, warum Du Dich nicht darüber freust, dass die Deutschen eins mehr reingemacht haben als die anderen. Schland – das ist gottlob dann auch die Zeit, da diese Deutschen am Finaleinzug scheitern und sich mit dem Trostpreis zu begnügen haben. Wenigstens etwas könnte man sagen, doch Schland, das ist auch die Zeit, da die Elektronikmärkte in Schwarz-Rot-Gelb überquellen ebenso wie die Fleischtheken, an denen es kein frisches Fleisch mehr gibt, sondern nur noch buntes in roten und grünen Glutamatpasten. Man hat den Leuten offensichtlich eingeredet, gutes Fleisch sei zum Grillen zu schade, besser sei zugekleistertes Minderwertiges. Manchmal ist es schon schwer, unserem Kater ein paar Stückchen simples Rindergulasch zu kaufen. Schland sei Dank.

Schland kommt dieses Jahr vermeintlich fortschrittlich und weiblich daher, nicht 22 Kerle treten gegen einen Ball, sondern 22 Frauen. Doch das macht es noch schlimmer, dieses Schland, denn jetzt hat man es auch noch gut zu finden. Denn es ist ja fortschrittlich. Dabei habe ich mich geistig vom Fußball verabschiedet, als Bernd Schuster seine Fußballschuhe an den Nagel hing. Frank Behrens

„Den Gürtel enger“

Das ARD-Morgenmagazin war in dieser Woche auf „Eurotour“. Das Fazit des touristisch ansprechenden Hoppings durch die Krisenstaaten an der EU-Peripherie sprach Moderator und Reisereporter Sven Lorig am Freitag: „Über Unangenehmes spricht man nicht so gern.“ Sein Fazit am Montag in Athen: „Die Griechen sind nicht bereit zur Veränderung, sie wollen nicht auf ihre Privilegien verzichten.“ Binsenweisheit und Vorurteil als Fazit einer ARD-Pressereise.

Dass die „Griechenland-Rettung“ in erster Linie eine Rettung deutscher und anderer europäischer Banken ist, die Kredite an den Ägäis-Staat vergeben haben – nicht zuletzt für Waffenkäufe, ist kein Thema im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nein, es sind die uneinsichtigen Griechen, Arbeiter, Angestellte, Beamte, Arbeitslose, Rentner, Hausfrauen, die einfach nicht einsehen wollen, dass sie jetzt zum Wohle aller – nicht gesagt, doch gemeint: vor allem der Deutschen – den Gürtel enger schnallen sollen.

5.Gebirgsdivision
Ia

Div.Gef.St. 3km südl. Westecke Flugplatz 

Mallion, den 23.Mai 1941, 11 Uhr 


Ein Meuchelmord an einem Soldaten der Luftwaffe am 22.5.41 hat ergeben. Daß die griech. Bevölkerung in Zivil, Uniform, auch in deutscher, an den Kämpfen teilnimmt und Verwundete niederschiesst, niedersticht und Ringe abschneidet, Gefallene schändet und ausplündert.

  Wo eine griech. Zivilperson mit der Schusswaffe in der Hand angetroffen wird, ist sie sofort zu erschiessen.

  Desgleichen ist bei Angriffen auf Verwundete zu verfahren.

  Jn Ortschaften sind sofort Geiseln festzunehmen (Männer von 18 – 55 Jahren) und ihnen und der Einwohnerschaft bekanntzugeben, daß im Falle feindl. Handlungen jeder Art gegen die deutsche Wehrmacht sofortige Erschiessung erfolgt.

  Für jeden Deutschen 10 Griechen, dazu werden die in der Nähe befindlichen Ortschaften angezündet.

  Die Bürgermeister haben dies in ihren Gemeinden bekanntzumachen.

Der Divisionskommandeur:

Ringel

Quelle: http://www.kreta-wiki.de/wiki/Ringel-Befehl

Der sogenannte Ringel-Befehl ist weithin unbekannt in Deutschland. So unbekannt wie die Besetzung Griechenlands, die Landung auf Kreta und die anschließenden Verbrechen der deutschen Besatzungstruppen. Am 2. Juni 1941 etwa wurden in der nordkretischen Ortschaft Kondomari die männlichen Bewohner zusammengetrieben und erschossen. Auf einem Gedenkstein sind heute 23 Namen aufgelistet.

Doch Kondomari ist nur ein Beispiel für viele. Die Opferzahl der deutschen Besatzung ist unbekannt. Belegt sind auch weit größere Massaker in Kleinstädten, bei denen jeweils die gesamte anwesende männliche Bevölkerung ermordet wurde.

Griechische Opferverbände fordern seit Jahrzehnten Entschädigungen von Deutschland. In der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise wurde diese Forderung von einzelnen konservativen Politikern in Athen wie auch der linken Opposition aufgegriffen. Ohne konstruktiven Widerhall aus Deutschland. Früher kam aus Deutschland der Tod. Heute kommen Kredite, Schulden, Waffen und Sparauflagen. Und Fernsehreporter, die fordern, die Griechen sollten den Gürtel enger schnallen.
Frank Behrens