„Den Gürtel enger“

Das ARD-Morgenmagazin war in dieser Woche auf „Eurotour“. Das Fazit des touristisch ansprechenden Hoppings durch die Krisenstaaten an der EU-Peripherie sprach Moderator und Reisereporter Sven Lorig am Freitag: „Über Unangenehmes spricht man nicht so gern.“ Sein Fazit am Montag in Athen: „Die Griechen sind nicht bereit zur Veränderung, sie wollen nicht auf ihre Privilegien verzichten.“ Binsenweisheit und Vorurteil als Fazit einer ARD-Pressereise.

Dass die „Griechenland-Rettung“ in erster Linie eine Rettung deutscher und anderer europäischer Banken ist, die Kredite an den Ägäis-Staat vergeben haben – nicht zuletzt für Waffenkäufe, ist kein Thema im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nein, es sind die uneinsichtigen Griechen, Arbeiter, Angestellte, Beamte, Arbeitslose, Rentner, Hausfrauen, die einfach nicht einsehen wollen, dass sie jetzt zum Wohle aller – nicht gesagt, doch gemeint: vor allem der Deutschen – den Gürtel enger schnallen sollen.

5.Gebirgsdivision
Ia

Div.Gef.St. 3km südl. Westecke Flugplatz 

Mallion, den 23.Mai 1941, 11 Uhr 


Ein Meuchelmord an einem Soldaten der Luftwaffe am 22.5.41 hat ergeben. Daß die griech. Bevölkerung in Zivil, Uniform, auch in deutscher, an den Kämpfen teilnimmt und Verwundete niederschiesst, niedersticht und Ringe abschneidet, Gefallene schändet und ausplündert.

  Wo eine griech. Zivilperson mit der Schusswaffe in der Hand angetroffen wird, ist sie sofort zu erschiessen.

  Desgleichen ist bei Angriffen auf Verwundete zu verfahren.

  Jn Ortschaften sind sofort Geiseln festzunehmen (Männer von 18 – 55 Jahren) und ihnen und der Einwohnerschaft bekanntzugeben, daß im Falle feindl. Handlungen jeder Art gegen die deutsche Wehrmacht sofortige Erschiessung erfolgt.

  Für jeden Deutschen 10 Griechen, dazu werden die in der Nähe befindlichen Ortschaften angezündet.

  Die Bürgermeister haben dies in ihren Gemeinden bekanntzumachen.

Der Divisionskommandeur:

Ringel

Quelle: http://www.kreta-wiki.de/wiki/Ringel-Befehl

Der sogenannte Ringel-Befehl ist weithin unbekannt in Deutschland. So unbekannt wie die Besetzung Griechenlands, die Landung auf Kreta und die anschließenden Verbrechen der deutschen Besatzungstruppen. Am 2. Juni 1941 etwa wurden in der nordkretischen Ortschaft Kondomari die männlichen Bewohner zusammengetrieben und erschossen. Auf einem Gedenkstein sind heute 23 Namen aufgelistet.

Doch Kondomari ist nur ein Beispiel für viele. Die Opferzahl der deutschen Besatzung ist unbekannt. Belegt sind auch weit größere Massaker in Kleinstädten, bei denen jeweils die gesamte anwesende männliche Bevölkerung ermordet wurde.

Griechische Opferverbände fordern seit Jahrzehnten Entschädigungen von Deutschland. In der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise wurde diese Forderung von einzelnen konservativen Politikern in Athen wie auch der linken Opposition aufgegriffen. Ohne konstruktiven Widerhall aus Deutschland. Früher kam aus Deutschland der Tod. Heute kommen Kredite, Schulden, Waffen und Sparauflagen. Und Fernsehreporter, die fordern, die Griechen sollten den Gürtel enger schnallen.
Frank Behrens

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