Der Blog, das Blog

„Was ist eigentlich dieses Bloggen?“, wurde ich letzte Woche noch gefragt, um der ernsthaft Fragenden dann zu antworten, es sei halt ein Online-Tagebuch, das von einem „Blogger“ mehr oder weniger regelmäßig mit Inhalten, also Content, gefüllt werde. Es gibt gute Blogs, langweilige Blogs, spannende und schlechte Blogs. Und wie meist gehen die Meinungen auseinander, was gut oder schlecht ist.

Dass auch ich nicht immer sicher bin, etwa, was das Geschlecht dieses Online-Tagebuchs betrifft, enthüllt dieser Blogbeitrag von Markus Trapp, in dem er Bezug auf einen Artikel von mir im Saarbrücker „Forum“-Magazin nimmt. Ja, ich bin mir jedes Mal unsicher, ob es „der“ oder „das“ Blog heißt. Aber die Eselsbrücke mit dem Block ist gut, das werde ich mir versuchen zu merken. Die Bildunterzeile, in der es heißt, Markus Trapp sei „von der Uni angestellt“ worden ist dagegen nicht auf meinen Mist gewachsen, das ist eindeutig ein Fehler der Redaktion. BUs sind halt gefährlicher als die meisten Redakteure denken und recht fehlerträchtig. Das erlebe ich nicht zu ersten Mal.

Und gerne gebe ich das Kompliment zurück: Es war ein angenehmes Gespräch mit Markus Trapp, den man wohl zu den Pionieren des Blogs in Deutschland zählen muss.

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Markus Trapp an seinem Arbeitsplatz in der Hamburger Staatsbibliothek

Gutbürgerlich

Gibt es ein bürgerlicheres Essen als Rindsrouladen? Kaum. Ich erzähle gern die Geschichte, wie ich in den frühen neunziger Jahren als Student bei einer in den Osten expandierten Bundesbehörde auf der Halbinsel Stralau (Berliner Bezirk Friedrichshain) arbeitete. Eine Kollegin erzählte öfter von ihren Schwiegereltern, die jeden Sonntag Rouladen essen würden. Jeden Sonntag? Jeden Sonntag. Wird das nicht langweilig? Nein, sie essen nichts lieber, war ihre entwaffnende Antwort.

Nun gut. Ich habe eigentlich ein aufgeklärtes Verhältnis zu Rinderrouladen. Ich esse sie gerne. Aber zwei- oder dreimal im Jahr reicht es mir persönlich. Doch dann schmecken sie richtig gut. Heute war es mal wieder so weit, schließlich haben wir noch insgesamt acht Rindsrouladen von einem Reiterhof in der Nähe eingefroren. Nein, Rindsrouladen. Ja, vom Reiterhof. Der Mann päppelt nebenbei ein paar Fleischrinder.

Meistens mache ich die Rouladen nach dem Rezept von Hedwig Maria Stuber („Ich helf dir kochen“). Das heißt ich schwitze etwas Petersilie und Zwiebel in Butter an, salze und pfeffre die Rouladen, bestreiche sie dünn mit mittelscharfem Senf, darauf die angeschwitzten Zwiebeln und Petersilie, lege zwei Baconscheiben darauf und eine halbe oder viertel Gewürzgurke und rolle das Ganze auf und stecke es fest.

Mehliert werden die Rouladen nun im Schmortopf angebraten, gefolgt von Möhre und Zwiebel, die ebenfalls etwas Farbe nehmen sollen und einer gepellten Tomate, die wiederum der Sauce Farbe verleihen soll. Aufgegossen mit guter Rinderbrühe ist die Sauce sowieso das Meisterstück der Rindsrouladen, sie entsteht praktisch im Vorbeigehen während der eineinhalbstündigen Schmorzeit (in der die Rouladen einmal gewendet werden sollten). Am Ende werden die Rouladen entnommen, die Sauce mit wenig (!) Rotwein abgeschmeckt und nochmal eingekocht. Ich, und das ist ein Unterschied zu Frau Stuber, püriere das mitgekochte nun gerne zur Bindung in die Sauce ein. Das war’s auch schon. Die Rouladen gab’s heute klassisch mit Kartoffeln von Karsten Ellenberg aus Barum und ein wenig Gemüse.

Geht’s bürgerlicher? Nein. Gibt’s das jetzt jeden Sonntag? Nein. Aber vier Rouladen sind noch im Tiefkühler.

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Die auftsteigenden F16 des Bernd Ulrich

Fast eineinhalb Seiten der gedruckten Zeit hat sich deren stellvertretender Chefredakteur Bernd Ulrich genommen, um seiner Irritation über die vermeintlich russophilen Deutschen Luft zu machen.

Bemerkenswert ist, dass er bei seinen Versuchen, seine zentrale Frage („Woran liegt es, dass so viele Bürger die Krimkrise anders beurteilen als Politik und Medien?“) ausgerechnet die naheliegendste Antwort konsequent auslässt. Er mutmaßt zwar, dass viele Deutsche mit dem Wort „Demokratie“ nach 15 Jahren Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan, Irak und Libyen mittlerweile „aufsteigende F16-Bomber“ assoziieren. Und – natürlich – dass die NSA-Affäre des vergangenen Jahres nachwirke. Aber dass „der Westen“ den gewaltsamen Umsturz der (unbestritten gewählten) Kiewer Regierung maßgeblich unterstützt hat – man denke nur an die Platzierung des Boxers und Novizen der Konrad-Adenauer-Stiftung, Vitali Klitschko, oder an die demonstrative Anwesenheit zweier deutscher Außenminister auf dem Maidan während der Unruhen. Und warum die Oligarchin Julija Timoschenko mehr Unterstützung verdient hat als die bisher an der Macht befindlichen Kollegen, dürfte sich vielen Bundesbürgern ebenso wenig erschließen. Und warum eine Putschregierung aus Timoschenko-Parteigängern und diversen faschistisch-nationalistischen Gruppierungen wie „Swoboda“ und „Rechter Sektor“ demokratischer sein soll als eine regulär gewählte Regierung unter dem Autokraten Wiktor Janokowytsch – auch dem geht Bernd Ulrich nicht auf den Grund. fb

Vom Ende des Regenbogens

Nein, vom Ende der Regenbogenpresse können Moritz Tschermak und Mats Schönauer in ihrem Blog topfvollgold.de nicht berichten, aber von deren Methoden und der Differenz zur Realität. Am Ende des Regenbogens findet der Leser sich dann in der Tat auf dem Boden der Tatsachen. Die Diskrepanz zwischen den Geschichten der Yellow Press und der Realität ist meist eklatant, die Methoden, die diese Diskrepanz herstellen, sind sehr simpel. Aber offensichtlich sehr wirksam, denn der Erfolg der Regenbogenblätter ist zumindest an den Auflagen gemessen immens. Tschermak und Schönauer brechen das Schweigen über das unterirdische Niveau der Yellow Press.

Für die Saarbrücker Illustrierte „Forum“ habe ich die beiden topfvollgold-Gründer interviewt: http://magazin-forum.de/news/wirtschaft/aus-der-mücke-einen-elefanten-machen

Low Carb am Freitag Abend

Ich persönlich bin ja eher skeptisch, um das Mindeste zu sagen, was Patentrezepte zu einer gesunden Ernährung angeht. Dennoch komme auch ich nicht umhin, Kompromisse einzugehen und Versuche zu machen, wenn etwa meine Partnerin mal wieder ein neues Kochbuch anbringt und davon spricht, dass sie sich besser fühlt, wenn es abends mal keinen Reis, keine Pasta, kein Brot oder keine Kartoffeln gibt.

Also sollte es gestern mal Low Carb sein, sprich wenig Kohlehydrate geben. Und zwar: Kabeljau bzw. Schellfisch mit Kräuterkruste. Dazu ein Zucchini-Apfel-Gratin aus dem Low Carb-Kochbuch von Gräfe und Unzer (München 2014, ISBN 978-3-8338-3999-3).

P1040869 P1040870Für das Gratin werden Zucchini- und Apfelscheiben (ich hatte hier zusätzlich mit etwas Birne ergänzt) in eine eingeölte Auflaufform geschichtet, mit einer Mischung aus einem Ei, ca. 100 ml Sahne, Salz, Pfeffer und Majoran übergossen und letztendlich mit ca. 50 Gramm geriebenem Grana Padano (oder Parmesan) gekrönt.

Das Ganze geht dann für etwa eine halbe Stunde in den Backofen, zunächst mit Alufolie abgedeckt für 15 Minuten bei 200 Grad Heißluft, dann bloßgelelegt nochmal für 15-20 Minuten bei gleicher Temperatur unter den oberen Grill.

P1040873 Für den Fisch werden etwa 600 Gramm Tomaten in einer Pfanne in Olivenöl gedünstet, mit Kapern ergänzt, gesalzen und gepfeffert, dann werden die Schellfischfilets (ich verwendete, da wir Besuch erwarteten, zwei Packungen Bio-Schellfischfilets von Followfish, also 500 Gramm) für etwa 5 Minuten auf die Tomaten gelegt und mitgedünstet. Anschließend werden die Fischfilets mit einer Mischung aus 3 TL gemahlenen Mandeln, 3 TL gehacktem Thymian, 3 TL geriebenem Parmesan/Grana Padano und drei zerdrückten Knoblauchzehen bedeckt und für weitere fünf Minuten unter den Grill des Backofens (200 Grad) gestellt. Hier gilt es aufzupassen, dass der Fisch nicht zu sehr austrocknet, die Kruste aber gleichwohl etwas Farbe bekommt. Dieses Rezept findet sich übrigens leicht abgewandelt in der „Für Sie“ (Heft 04/2011).

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Fazit: Ein sehr leckeres Essen, bei dem sogar ich die „Sättigungsbeilage“ nicht stark vermisste. Zu dauerhafter Abstinenz von Reis, Nudeln, Brot oder Kartoffeln wird es mich gleichwohl nicht verleiten.

Von Aal bis Zwiebel

Am 20. März war es so weit: Das BIO-FOOD-Handbuch von Udo Pini, an dem ich im Herbst und Winter mitarbeiten konnte, wurde bei h. f. ullmann in Potsdam veröffentlicht und ist seither für 24,90 Euro zu haben. Mehr als 900 Seiten lexikalische Beschäftigung mit Bio-Lebensmitteln, Bio-Verbänden, Einkaufs- und Essverhalten, Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Fischerei, Fleisch, Gemüse, Getreide, Obst, Siegeln, Genfood, Eiweißlücke, Labels, Fettsäuren, Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern, Vegetarismus und Veganismus waren nicht immer ein Spaziergang. Dennoch glaube ich, dass es sich gelohnt und das Buch das Zeug hat, dem bewussten Lebensmittel-Konsumenten eine Hilfestellung beim alltäglichen Einkauf zu bieten.

http://www.ullmann-publishing.com/de/shop/neuerscheinungen/1379-das-bio-food-handbuch/ 

Der Whatsapp-Deal

Ende Februar gab Facebook einen Deal bekannt, der sofort die Alarmglocken schrillen ließ und viele an das Platzen der ersten Dotcom-Blase 2001 erinnerte: Der Messenger-Dienst Whatsapp, Shooting-Star unter den mobilen Apps, war den Kaliforniern um Mark Zuckerberg stolze 19 Milliarden Dollar (13,8 Mrd. Euro) wert. Gerade in Deutschland kamen Bedenken hinzu, dass sich dort zwei Online-Riesen verbündeten, die es mit dem Datenschutz nicht allzu genau nehmen. Nicht wenige Whatsapp-User wechselten in den tagen und Wochen nach der Übernahme zur Konkurrenz, etwa zu Threema, Line oder Enigma. Die NSA-Affäre ist eben auch im Frühjahr 2014 noch nicht ausgestanden.

Für die Saarbrücker Illustrierte „Forum“ konnte ich Facebooks Whatsapp-Deal etwas näher beleuchten: http://magazin-forum.de/news/wirtschaft/fc-bayern-mal-zwanzig

Pulled Pork

Einer der Klassiker des nordamerikanischen Barbecue. In diesem Fall brauchte ich 21 Stunden, um die Kerntemperatur des Schweinenackens (2610 Gramm) im Kugelgrill (Gartemperatur ca. 110-120°C) auf 92°C zu bringen (gewünscht sind 90-95°C). Mit etwas mehr Glück kann das auch schon in 14 oder 15 Stunden klappen. Glück im Unglück: Ich hatte keine Gäste. Und das Fleisch war am Ende der Prozedur, inklusive einer Ruhephase von rund einer weiteren Stunde, so mürbe, dass es wirklich mühelos auseinander zu reißen war.

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Tang Cu Li Ji – Süß-saures Schweinefleisch mit roter Paprika

Süß-saure Gerichte sind in vielen chinesischen Restaurants leider zu einem Eldorado klebriger industriell produzierter Convenience-Saucen in Zartrosa geworden. Dass es aucg anders geht und süß-saure Gerichte ein wirkliches Highlight chinesischer Küche sein können, beweist dieses Rezept von Fuchsia Dunlop. Seine süß-saure Note erhält Tang Cu Li Ji durch wunderbar aromatischen schwarzen Chinkiang-Essig und Zucker. Der rote Paprika ist auf meinem Mist gewachsen, er passt farblich super, schmeckt mir ausgezeichnet und ist wohl eine leicht europäisierte Variante dieses Klassikers. Einige Fotos:

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